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Erlebnisbericht eines begeisterten Teilnehmers
Langlaufreise in den französischen Jura, 4. – 10. Februar 2002
Nach Frankreich in den Jura sollte es gehen, in die Gegend von Lamoura, angeblich ein schneesicheres und gut organisiertes Langlaufgebiet. Schnell einen Blick in den ADAC Ski-Guide geworfen, um mir einen Überblick zu verschaffen, wo das überhaupt ist – doch Fehlanzeige. Weder unter Jura noch unter den Lamoura findet man einen Eintrag. Die Erklärung hierfür ist denkbar einfach: Das Juragebiet zählt nicht mehr zu den Alpen, und ist somit nicht im ADAC Skiguide aufgenommen. So müssen wir uns also auf die Empfehlungen von Thomas (Raach) verlassen, dass es dort genügend Loipen und ausreichend Schnee gibt um eine Woche lag ausgiebig zu laufen, sowohl klassisch als auch Skating.
So fuhren wir, eine Gruppe von 6 Teilnehmern und einem Leiter, am Montag, den 04.02.02 morgens in München los. Schon seit über einer Woche hatte der Frühling in Süddeutschland Einzug gehalten und bescherte Temperaturen von über 20° C. Dass wir die nächsten Tage auf Skiern verbringen sollten, wollte keiner so richtig glauben, zu mal das warme Wetter von Südwesten kam und somit auch den französischen Jura betraf. Doch Thomas blieb zuversichtlich: „Im Jura geht schon noch was – keine Sorge.“ Die Fahrt führte uns per Fähre über den Bodensee, durch die Schweiz Richtung Genfer See, wo wir zwischen Lausanne und Genf die Autobahn verließen und Richtung Westen nach Frankreich über die Berge fuhren. Hier beginnt das Juragebiet.
Der Jura ist ein weitläufiges Mittelgebirge, dessen kleine Ortschaften zwischen 1.000 und 1.500 Meter hoch liegen. Ursprünglich ist der Jura ein ärmliche Landregion. Dementsprechend klein und unspektakulär sind die Ortschaften. Wegen seiner Schneesicherheit ist der Jura aber ein ausgezeichnetes Wintersportgebiet. Durch die fehlenden hohen Berge hat der Alpin-Tourismus nicht so richtig Fuß gefasst und ausser in den Skizentren wie Les Rousses ist die Stimmung in den Skiorten eher ruhig. Es dominiert der Langlauf, und das mit voller Kraft. Die meisten Orte nennen sich „Village du ski de fonds“ zu deutsch: „Langlaufort“. Was will man mehr?
Der Jura zeichnet sich durch ein Netz von bestens präparierten Loipen aus, welche sich auf Höhen zwischen 1.000 und 2.000 Metern erstrecken. Prinzipiell wird immer auf einer Breite von mindestens 3 m ein Skatingspur gezogen und jeweils links und rechts eine Klassikspur. Die Frage, wo man Skaten kann beantwortet sich mit „überall“. Die Loipen sind sehr gut ausgeschildert und werden auch bei schlechtem Wetter (z.B. bei Regen) täglich gepflegt. Bei Bedarf wird Schnee antransportiert. Der Langlauf-Fernwanderweg Grand Traverse du Jura (G.T.J.) verbindet über eine Länge von 130 km die meisten Orte. Somit ergibt sich ein zusammenhängendes Gebiet von über 400 Loipenkilometern. In der Regel führen die Loipen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden von den Orten in die Berge hinauf, wo man in gemütlichen Hütten einkehren kann. Dort gibt es eine kleine Auswahl an Gerichte und oftmals sitzen die Gäste um eine offene Feuerstelle herum. Bei Bedarf kann in diesen Hütten auch übernachtet werden. Von den erreichten Hochplateaus hat man eine herrliche Aussicht über den Jura und kann mit unter das Mont Blanc Massiv und den Genfer See sehen, eine Augenweide, die uns in den Alpentälern vorenthalten bleibt.
Apropos „verschiedene Schwierigkeitsgrade“: Die Touren im Jura verlangen einiges mehr an Kondition und Fahrkönnen als wir von den alpenländischen Loipen her gewohnt sind. Es geht ordentlich rauf und runter, und das über lange Strecken ... Aber keine Bange, auch Anfänger und weniger geübte finden dort ihre Loipen. Doch wer in paar Tage im Jura unterwegs war, wird anschließend Langlaufgebiete wie Bayrischzell, Jachenau oder Leutasch getrost als „Vorgartenloipen“ bezeichnen.
Zurück zu unserer Reisegruppe:
Nach ca. 6 Stunden Fahrt im Kleinbus kamen wir in der kleinen Ortschaft La Pesse an und wurden im Hotel Le Burdet einquartiert. Le Burdet ist ein einfaches aber gemütliches und sehr persönliches Landhotel mit freundlichen Wirtsleuten und moderaten Preisen. Die Ortschaft La Pesse hat neben ein paar Häusern, einer Kirche und einem kleinem Laden nicht viel zu bieten außer einem Sportgeschäft wo man alles für den Langlauf bekommt und einem Fremdenverkehrsamt welches zuverlässig über die aktuelle Schneelage und den Zustand der Loipen informiert. Zwar war auf Grund der aktuellen Wettersituation (Frühlingseinbruch in ganz Mitteleuropa) auch ein La Pesse der Schnee schon fast weg, doch ab dem Loipeneinsteig war alles bestens hergerichtet. Wir konnten also wider erwarten Skilaufen. Und so blieb es auch die ganze Woche.
Zwischenzeitlich gab es sogar eine ordentliche Ladung Neuschnee, doch als gegen Ende der Woche die Schneequalität nachließ fand Thomas immer wieder Gebiete, wo mitten im Grünen plötzlich gespurte Loipen begannen und unserem Tatendrang freien Lauf ließen. Mit dem Kleinbus fuhren wir täglich in neue Gebiete in der Umgebung, so dass wir nicht nur die letzten Schneereste fanden, sondern auch einen umfassenden Eindruck vom faszinierenden Juragebiet bekamen. Die Unterschiede in den fahrerischen Ansprüchen innerhalb der Gruppe wurde dadurch ausgeglichen, dass Thomas die schnelleren öfters noch auf eine Extrarunde schickte und somit an den vereinbarten Treffpunkten alle gleich erschöpft ankamen. Thomas selbst pendelte zwischen den verschiedenen Grüppchen hin und her, so dass jeder sich gut betreut fühlte.
Abends saßen wir in gemütlicher Runde zusammen und genossen einfache französische Kost und entsprechend Wein.
Alles in allem war die Jura-Reise für mich das Highlight der Saison 2001/2002 und ich kann den Jura allen empfehlen die lieber gut gepflegte und anspruchsvolle Loipen wollen statt Skizirkus à la Seefeld oder Kitzbühl, etc.
Oswald Immel, Februar 2002
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